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Zum Frauenstreik 2019: Mein Text zum #SchweizerAufschrei, der 2017 viral ging

Zugegeben; ich bin nicht die Schnellste in diesen Belangen. Also muss ich lange überlegen. Denn mein Hirn blendet diese Dinge aus. Werde ich 'betascht', merke ich das nicht mehr. Ich bin immun! (Was mir manchmal auch leid tut. Denn nicht alle Berührung ist unerwünscht. Aber wie unterscheide ich jene, die aus wahrer Leidenschaft entspringt oder gar von Herzen kommt?.-)

Als Kind war ich das Thai-Girl mit den 'Chriesi-Augen'. Der wichtigste und erste Mann in meinem Leben wurde per Gerichtsentscheid von mir fern gehalten. Das hatte gute Gründe, die man in den Akten nachlesen kann. Ich kann mich beim besten Willen und zu meinen Glück an nichts erinnern.

In der Schulbank neben heutigen SVP-Grössen mit Tintenfischarmen und ohne Filter zwischen Ur-Hirn und dem angeborenen Grossmaul. Ich hätte grosse Titten, schrieb er ins Klassenbuch, was nicht stimmt - sie sind wohl geformt und eine Hand voll gross. Es bewies mir, dass auch sein Augenmass nicht viel taugt. Hier einige weitere Kostproben als Beitrag zum Diskurs:

"Frau Doktor, wenn sie um diese Zeit noch etwas von mir haben wollen, dann machen sie mal die Beine breit", ein Professor der Radiologie im Kantonsspital St. Gallen.

"Sie kann als Medizinerin beim Beatmen der Patienten sicher am besten blasen." Ein Professor der Universität Bern und ein Forschungsleiter eines Schweizer Industriekonzerns vor dem Sitzungszimmer eines nationalen Gremiums, dem ich kurze Zeit* angehörte.

"Sie ist hysterisch und muss wieder einmal durchgebumst werden", (Ach; das war der Standardspruch, wenn meine Argumente besser waren als der des Restes.-). Meine Vorgesetzten wurden auch schon gebeten, dies doch bitte zu erledigen. Die Folgen waren irritierend. Ein Vorgesetzter wünschte, dass ich nachträglich - im gekündigten Zustand - noch ein Dokument unterschreiben soll, dass wir kein sexuelles Verhältnis zueinander hätten.

Den Rest kann man sich sparen! Oder wie ich es gewohnt bin, überhören, ignorieren,...es ist schliesslich die Welt, in der ich mich als das was ich bin, bewege(n muss).

Ja, Sexismus gehört zum Alltag mit dazu. Man kann sich an vieles gewöhnen, ohne es gut zu finden oder sich davon aufhalten zu lassen.

Ich halte mich an moderne, grösser gewachsene Männer. Sie schützen mich. Die Kleinen, das musste ich mir wiederholt eingestehen, meide ich. Meine Sexualität ist zu meiner volllllllllsten Zufriedenheit und geht niemanden etwas an. Ich achte angestrengt darauf, dass ich keine falschen Signale sende. Ich bin weiblich gekleidet, aber nie aufreizend. Frauen und deklarierten Feministinnen haben bei mir IMMER ein Stein im Brett. Solche, die sich als frauenfreundlich bezeichnen, lassen kritisch aufhorchen. Es gab positive und negative Überraschungen.

Ein selbsternannter Frauenförderer der ältesten Schweizer Uni an einer Genderkonferenz in Bern: "You can't kill a good woman or a good man!" Dies sein Fazit nach einem Tag Brainstorming, wie wir unser Geschlechter-Handicap an den Akademien loswerden. Das saudoofe Genderproblem ist im deutschsprachigen Raum eine Krankheit. Nein; eine Seuche! Dieser Professor war Infektiologe. Gefördert hatte er nur seine Tochter, verhindert so manche gescheite, ihm suspekte Frau. Nicht umgebracht zu werden, war also das Ziel. Es geht um Macht. Machtverhältnisse sind bekanntlich nicht neutral. Die Macht nicht zu teilen, hat System.

Während ich viele hunderte von Franken dennoch beisteuerte, z.B. mehr Frauen in Verwaltungsräten zu platzieren, wusste ich längst, das dies nicht die eigentliche Herausforderung ist. Ich sass ja bereits in diesen Positionen. Das Problem ist, dass wenn man gut ist und seine Arbeit sachorientiert gut tut, man in der Schweiz nicht lange* sitzt. Diversität im Denken, ethisches Geschäftsgebahren, Risikoprävention,...ist nicht erwünscht. Nichts als Lippenbekenntnisse und Alibi, 'Säu Häfeli und Säu Deckeli' weiter zu spielen.

Ich könnte Buchbände darüber schreiben, tue es aber nicht. Denn als ich es dem selbsternannten Erfinder der Schweizer PR (Habitus: Kartoffelsack.-) vorschlug, meinte dieser, der kein Universitätsstudium je geschafft hätte: "Frau Doktor, sie können mir das Wasser intellektuell nicht reichen." Ich war dumm. Das Dümmste, was ich je tat ist, ihn und seine PR, die nur ihm selbst galt, zu bezahlen. Denn diese Agentur war so ungefähr der Mistzettler vom Wallis bis Zürich in Sachen 'Huldigt uns Gockeln! Der Rest sind auch nur Hühner'. Er klaut regelmässig meine Denke zu seinen Gunsten und spielt die Frauen gegeneinander aus.

Es gibt noch sehr viel zu tun...

Der Diskurs ist längst überfällig.

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Der #Frauenstreik2019 ist aber sicher und leider, leider, leider nötig. Wir küssen unsere Männer wach und auch die querschlagenden Frauen. Die Leute oben im Text kennt ihr wahrscheinlich, ohne dass ich Namen nennen muss. Sie sind alle öffentliche Personen. Einem möchte ich post mortem beim Namen nennen: Branco Weiss. Er sagte mir in 2003: "Andrea, die Frauen kommen. Das ist keine Frage. Du musst Dich einfach gedulden". Das tat ich, lieber Branco. Ich war wirklich still und habe mich in Geduld geübt.


Die Sonntagszeitung veröffentlichte auf meinen obigen Text auf Facebook hin einen eigenen Artikel, der leider nicht wirklich den richtigen Ton traf. Aber ich kam in den Genuss, von Reto Corrodi fotografiert zu werden. Hier eines der Fotos:




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