©2020 by Andrea Degen.

Die Schweiz: Ein einzig Volk? Ja!



Lasst uns den 1. August 2019 gemeinsam und lustvoll feiern, weil wir nämlich 2019 nicht bloss mit schönen Worten, sondern tatkräftig wirklich etwas bewegt haben!


Was denn? Wir eigenwilligen, grenzenlos freiheitsliebenden Landsleute; haben wir uns zur Abwechslung mal nicht nur die Köpfe eingeschlagen? Uns gegenseitig "Schlötterlig" angehängt und den anderen, z.B. der EU, die Schuld für unser eigenes Versagen in die Schuhe geschoben? Haben wir für einmal nicht alle Autoritäten und sogar die Wissenschaft in Frage gestellt? „Diä huerä Siechä müend nöd mainä!“ Wie schon so oft alles Fremde, auch unsere eigenen Secondas und Secondos, verunglimpft und Terroranschläge in unseren friedlichen Alpentälern mit der Lupe gesucht? Nein, dieses Jahr war ein ganz besonderes Jahr im Lande der Helvetia. Wir haben es zumindest an einem einzigen Tag geschafft, im grossen Stil auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu kommen. Uns ausserhalb der Komfortzone für einen gemeinsamen öffentlichen Belang zu begeistern und eine Bewegung in Gang zu setzen. Genauer gesagt: Nicht die Schweizer haben sich bewegt, sondern ihre besseren Hälften, ihre Frauen, die Schweizerinnen! Wir meinen den Frauenstreiktag vom 14. Juni 2019, ein Phänomen von ur-schweizerischen Charakter!


Also sollten wir heute am 1. August 2019 feierlich beschwören: WIR WOLLEN SEIN EIN EINZIG VOLK VON SCHWESTERN?

Aber Halt! Wenn Geschichte und Geschichten weiter erzählt werden wie die vom Rütli Schwur; genau dann haben wir blinde, schwarze Flecken. Wir unterscheiden oft nicht zwischen Wirklichkeit und unserer persönlichen Vorstellung, manchmal auch schmutzigen Phantasien. Ein sonderbares Kopfkino spult ab; vor allem dort, wo Frauen ins Spiel kommen. Bitte versuchen wir es dennoch: Stellen wir uns vor, drei Frauen stehen auf dem Rütli mit der Absicht zu schwören. Sie erheben ihre rechte Hand in die Höhe und...bereits bei den Worten „Wir schwören“, bedarf es bei diesen Frauen der Klärung. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf: Die Hände sinken herab, es wird kompliziert und die beiden hoch-vernetzten Hirnhälften fangen an zu reflektieren…

Tut frau schwören, wenn sich frau nicht komplett sicher fühlt? Wollen wir uns ver-schwören, und gegen wen? Wenn wir schwören und nicht sicher sind, es dann anders kommt als frau denkt, hat frau sich möglicherweise auf einen unglücklichen Handel eingelassen? Die drei Frauen auf dem Rütli setzen sich um ihr Feuer und die Kerzen, die sie im Rucksack mitgebracht haben. Zwei trinken Kaffee aus dem Thermoskrug, die Dritte Tee. Sie reden, debattieren, diskutieren immer heftiger, fuchteln mit den Händen, raufen sich die Haare, rollen mit den Augen, reden, reden, reden. Aber nicht mehr. Keine ist der Obermacker und schon gar keine ein Guru. Als sie des Redens müde sind und auch die Flasche Pinot noir als Aufsteller nicht mehr wirkt, folgt eine Yoga-Session im Gras und die Aufruhr entspannt sich wieder. Bei Sonnenuntergang kochen sie gemeinsam am Feuer, vereinbaren, wie es in Zukunft sein soll, schlafen alle friedlich im Schlafsack, geben sich warm, ohne sich zu nahe zu kommen.

Es ist tiefe Nacht geworden auf dem Rütli. Das Feuer ist ausgegangen, die Kerzen auch. Mücken stechen. Gewitterwolken ziehen heran. Der Wind rauscht. Es raschelt das Gebüsch. Worauf Frauen denn schwören würden, diskutieren die Drei und packen ihre Schlafsäcke und die sieben Sachen weg. In Deckung vor dem Gewitter unter einen sicheren Baum. Frauen, sagen einige Männer, haben Schwierigkeiten, sich auf das Wichtigste und Wesentliche zu beschränken, und sich zu entscheiden. Als Paradebeispiel gilt der Kleiderschrank oder der Kauf von Schuhen. Deshalb stellen sich die Drei eine gute Fee vor, die eine beschränkte Anzahl Wünschen für Schwüre offen lässt. Drei Frauen, drei Schwüre. Sie liegen wieder im Schlafsack unter einer herrlich grossen Eiche und sagen:

  1. Wunsch: Wir Frauen wollen Frieden, Freiheit (Unversehrtheit) und ein lebenswertes Leben.

  2. Wunsch: Wir Frauen wollen das nicht nur für uns, sondern auch für Kinder und Enkel, für Senioren und Betagte, für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Hilfsbedürftige, Tiere, Pflanzen und Umwelt.

  3. Wunsch: Wir Frauen wollen in diesem Sinn unser Miteinander mitgestalten, gleichberechtigten Zugang zu allen öffentlichen Ämtern und Positionen in Forschung und Wirtschaft, gehört und ernst genommen werden. Alle sollen ein Sprachrohr haben!

Ist es das? JA!

Was ist nun der Unterschied zu dem, was die Männer laut Friedrich Schiller auf dem Rütli geschworen haben? Im kühnsten Traum und in der Not stellen, da sind sich alle einig, alle (auch die Frauen!) sich wieder in Rüstung, mit allen verfügbaren Mitteln bewaffnet auf den Lindenhof und betreiben Selbstverteidigung. Oder sie treiben die Geissen mit Lichtern auf dem Kopf durch die Dunkelheit auf den Feind. Wie damals bei Schloss Gruyère. Aber zerstörerisch werden Frauen in der Gemeinschaft nie. Das ist vielmehr die Masche von Einzelpersonen mit Sonderinteressen. Krieg ist für uns keine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, wie das auch heute noch von Vladimir Putin & Co. versucht wird, z.B. in der Ukraine und in Syrien. Das sehen auch alle vernünftigen Männer nicht nur in der neutralen Schweiz genauso.

Das Gewitter zieht heran. Die Regentropfen dringen durch den Blätterwald. Es donnert, und der Blitz schlägt ein in den nahen See. Wird unsere Neutralität jetzt zum Problem, weil wir uns vorgaukeln, dass wir gleich sind? Ein einig Volk von ... was auch immer? Mann und Frau gleich? Alle Positionen als gleichwertig einstufen, obwohl sie das nicht sind? Tun wir so als gäbe es keine böse Absicht und schädliche Ideologien? Setzen wir uns nicht zur Wehr und sind wie gelähmt, die Schädiger der Schweiz in unseren eigenen Reihen zu bekämpfen und beseitigen? Vertrauen wir darauf, dass andere es schon wagen, Position zu beziehen. Also, wir das nicht müssen?

NEIN! Wenn es darum geht, Position zu beziehen und Führung zu übernehmen, dann war der Frauenstreik ein Ausdruck davon. Wir wissen: es gibt nichts Gutes, ausser man tut es, und zwar selbst! Ja, es geht um uns, um Dich und mich, es geht um uns alle. Denn: Hier in Sachen Mannsein-Frausein gibt es grosse Paradoxa, die man nicht einfach beschreiben und dann als Neutrum schulterzuckend zur Seite wischen kann. Diese Eigenart, im Zweifelsfalle für die Gemeinschaft zu kämpfen kann uns alle zu politischen und demokratischen Anführerinnen und Anführern machen. Zumindest die Hälfte der Entscheidungen müsste bei den Frauen liegen, die das Zeug dazu mitbringen. Da sind sich drei Frauen in den mittlerweile triefnassen Schlafsäcken einig. Der Blitz peitscht und schlägt ein. Fürchterlich und hörbar, aber aus bereits sicherer Distanz.


Männer könnten sich auf das Wichtige und das Wesentliche beschränken? Welch' ein Klischee! In der Praxis geht es leider noch zu selten um die Sache, aber wir kommen dem gemeinsamen Erfolg doch etwas näher. Vor allem durch Diversität. Sie führt statistisch nachweisbar zu besseren Ergebnissen, auch in der Wirtschaft! Genau das braucht es jetzt, hartes, gemeinsames Arbeiten an der Sache, an Lösungen komplexer Themen durch Ausgleich der verschiedenen involvierten Interessen. An bezahlbarer medizinischen Versorgung für alle. An der individuelle Entfaltung von Kindern und Jugendlichen. An der Sorge für Senioren und Betagte. Am Umwelt- und Klimaschutz. An der Förderung zukunftsgerichteter Forschung und nachhaltiger Wirtschaft. An unserer Einbindung in Europa und der ganzen Welt. Wir sitzen alle im gleichen Boot! Es gibt viel zu tun. Verlieren wir keine Energie mit Trivialia oder Egotrips. Packen wir's gemeinsam an!

DIE SCHWEIZ, EIN EINZIG VOLK VON VIELFALT, EINE WAHRE WILLENSGEMEINSCHAFT! Genau das macht uns aus. Wir alle sind Schweizerinnen und Schweizer und stehen ein für unser gemeinsames Ideal Schweiz.

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Wir wünschen Ihnen ein wunderschönes Fest. Viele ‚Chlöpfer‘ auf dem Grill, kunterbunte Lampions und beste Gesellschaft! CSV steht nicht nur für eine gerechte Politik für alle auf der Grundlage unserer christlichen Sozialethik sondern (in Neudeutsch) auch für "Common Sense & Values". CSV schnitzten wir auf dem Rütli nach besagter Nacht in den Baumstamm der Eiche, die uns sicheren Schutz bot. Wir drei Frauen, die diese 1. August-Geschichte für Sie geschrieben haben und mit Ihnen gemeinsam umsetzen wollen. Danken Ihnen im Voraus für Ihre Unterstützung, besonders für unsere CSV-Nationalratsliste am 20. Oktober 2019! Und wenn Sie uns, die CSV, vielleicht auch noch nicht kennen und wählen, dann wählen Sie bitte weise: PolitikerInnen, die wissen anstatt meinen und einen anstatt entzweien.


Proscht, Schwiiz!


Kathy Riklin (Nationalrätin)

Andrea Degen & Jeannette Wibmer (Nationalratskandidatinnen)